Die ältesten deutschen Kartoffelrezepte

37. Erdepffel. Schel und schneidt sie klein / quell sie in Wasser / unnd druck es wol auß durch ein Härin Tuch / hack sie klein / und rößt sie in Speck / der klein geschnitten ist / nim ein wenig Milch darunter / und laß damit sieden / so wirt es gut und wolgeschmack.

Das älteste nachgewiesene deutsche Kartoffelrezept ist entnommen dem von M. Marxen Rumpolt, dem churf. Meintzischen Mundtkoch in Druck gegebenen "Ein New Kochbuch" von 1581.

Das Rezept ist also über 400 Jahre alt. Es findet sich im Kapitel 'Von allerley Zugemüß' auf der Doppelseite CXLIIII. Das Kapitel enthält 225 Rezepte für Beilagen. Das Erdäpfelrezept findet sich zwischen einer Anleitung für die Zurichtung von Dipffling und dem Beginn von zehn Rezepten für Epffel. (Weiß zufällig jemand was Dipffling ist?)

Man kann spekulieren, daß der erfahrene Koch Rumpolt die Kartoffel in Italien kennenlernte. Der deutsche Name der Kartoffel stammt vermutlich ebenfalls aus dem Italienischen: Tartufeli (Trüffel) - Tartuffel - Artuffel - Cartuffel - Kartoffel. Allerdings nennt er sie Erdäpfel.

Ein weiteres Rezept bleibt lange die Ausnahme.

Das zweite mir bekannte Rezept ist dann schon 100 Jahre jünger:

Die Kartoffeln werden gewaschen und in Wasser 'muerbe' gekocht. Nun wird das Wasser abgegossen. Man laesst sie abkuehlen. Nun zieht man die 'auswendige Haut' rein davon. Die grossen Kartoffeln schneidet man ein- oder zweimal auseinander, die kleinen laesst man ganz. Dann tut man sie wieder in einen Topf, giesst Wein darueber, tut Butter, Muskatblumen und anderes Gewuerz sowie Salz daran und laesst sie fein uebersieden. Danach richtet man die Speise an und streut Ingwer darueber.

Gefunden auf einer der Seiten des www.florilegium.org. Referenz: Hoyer 1648, second ed. 1651; Wiswe p. 125. Leider habe ich keinen anderen Daten gefunden über ein Buch von Hoyer!!! Ich bin für jeden Hinweis dankbar.

Die Mitteleuropäer sträubten sich noch ein weiteres Jahrhundert lang Kartoffeln zu essen: Die Kartoffel als Kulturpflanze musste von Friedrich II. mit Königsmacht den Brandenburgern als Nahrungsmittel verordnet werden. Mit dem berühmten "Kartoffelbefehl" vom 24. März 1756 zwang der "Alte Fritz" die störrischen Untertanen zum Anbau der Knollenfrucht und ließ dies von seinen Dragonern strengstens kontrollieren.

Kartoffelbefehl von Friedrich dem Großen vom 24. März 1756 an "sämtliche Land-Räthe und Beamte":

Es ist Uns in höchster Person in Unsern und anderrn Provintzien die Anpflanzung der sogenannten Tartoffeln, als ein nützliches und so wohl für Menschen, als Vieh auf sehr vielfache Art dienliches Erd Gewächse, ernstlich anbefohlen.......
Als habt Ihr denen Herrschaften und Unterthanen den Nutzen von Anpflantzung dieses Erd Gewächses begreiflich zu machen, und denselben anzurathen, daß sie noch diese Früh-Jahr die Pflantzung der Tartoffeln, als einer sehr nahrhaften Spreise unternehmen....


Rezepte des Monats Oktober 2003

Wer sich für mehr Informationen zum Thema interessiert, dem sei die folgende Webseite empfohlen: www.kartoffel-geschichte.de


Historische Küche - Mittelalterlich kochen

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