Das Buch von guter Speise (um 1350)

BvgSp / Daz bu°ch von gu°ter spîse / Diz buoch von guoter spise / Daz buoch von guoter spise /
Das buoch von gouter spise / Ein buch von guter spise / Würzburger Kochbuch

Teil einer Sammelhandschift: Das Hausbuch des Michael de Leone /
Würzburg-Münchener Handschrift / Würzburger Pergamenthandschrift / Würzburger Liederhandschrift

Standort: Münchener Universitätsbibliothek - OPAC-Signatur: Cim. 4 (= 2° Cod. ms. 731)

Sammelhandschrift, noch 285 Blätter, darin Blatt 156r-165v: 'Das Buch von guter Speise'

96 Rezepte wurden zwischen 1345 und 1354 in eine Pergamenthandschrift eingetragen. Es handelt sich um die älteste erhaltene Sammlung deutscher Kochrezepte.

        Parallelüberlieferung  in Dessau, Anhaltische Landesbücherei, Hs. Georg. 278.2°, fol. 123v-132v.
        Mehr: Handschriftencensus [Darin S. 211]

Große Teile der Rezepte finden sich auch in zwei späteren Quellen, dem Mondseer Kochbuch (so genannt weil es im Kloster Mondsee aufbewahrt wird) und dem Wiener Kochbuch.


Die Zusammenstellung des Hausbuches erfolgte durch Michael de Leone, fürstbischöflicher Protonotar in Würzburg, dieser entstammte einem Mainzer Patriziergeschlecht und gab die Handschrift an seinen Neffen Jakob de Leone († 1400) weiter. Zwischen 1403 und ca 1550 ist das Schicksal der Sammlung ungewiss. Dann wurde es vom Augsburger Bischof Johann Egolph von Knöringen (1537-1575) erworben. Seine Bibliothek umfasste ca. 6.000 Bände, er vermachte diese der Universitätsbibliothek Ingolstadt.

In der Sammelhandschrift finden sich weitere deutsche und lateinische Texte: z.B. eine soeben erlassene Würzburger Polizeiverordnung, eine Sammlung von Liedern des Walther von der Vogelweide, Minnelieder, Gedichte, Gebete und Gesundheitsregeln. Das Kochbuch ist die 21. Abteilung.  Mehr über den Aufbau der gesamten Handschrift, findet sich im Marburger Repertorium.

Der Sammel-Codex bestand ursprünglich aus zwei Foliobänden, jedoch ist nur der zweite Band erhalten, vom ersten Band sind nur einige Blätter und das gesamte Register auf uns überkommen.

Die mittelhochdeutsche Kochrezeptsammlung besteht wiederum aus zwei Teilen. Der erste Teil enthält die Rezepte 1 - 54, er wird durch ein Gedicht eingeleitet und schließt mit 2 Scherzrezepten und einem Schlußsatz: "Diz ist ein gut lere von guter spise". Danach folgen einige Leerzeilen. Der zweite Teil beginnt auf einer neuen Seite und ist im Gegensatz zum ersten durchaus thematisch sortiert. Die Rezepte wirken laut Hajek eher der fürstbischöflichen Tafel zugehörig. Beim ersten Teil scheint es sich dagegen um die unsortierte Niederschrift von angesammelten Rezeptnotizen zu handeln, es gibt keine thematische Einteilung, Fasten und Fleischgerichte sind durcheinander niedergelegt.

Die Rezepte sind im Original nicht nummeriert. Der Wortlaut der niedergeschriebenen Texte, bzw. die Lese- oder Hörfehler des Schreibers sprechen dafür, daß dieser des Kochens nicht mächtig war, und aufgrund des mangelnden Verständnisses ungenau auf- bzw. abgeschrieben hat.

 

Online:

 

 

Bearbeitete Rezepte / Nachkochungen:

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Literatur:

Münchener Universitätsbibliothek -  Cim. 4 (= 2° Cod. ms. 731)

1844 - Schmeller, Johann Andreas: Ein Buch von guter Speise. In BLVS 9/2 (= Bibliothek des Litterarischen Vereins in Stuttgart), S 33 - 67. Stuttgart: Literarischer Verein, 9 Nr. 1-3, 1844. [Online] [S. 33] [ACHTUNG: Scans erscheinen im unteren Seitenteil!]

1845 - Wackernagel, Wilhelm: Altdeutsches Kochbuch. In: Zeitschrift für deutsches Alterthum, Zeitschriftenband 5, S. 11 - 16, 1845. Online

1958 - Hajek, Hans (Hg.): Daz buoch von guoter spise. Aus der Würzburg-Münchner Handschrift. In TspMA 8 (= Texte des späten Mittelalters Heft 8), Berlin: Erich Schmidt Verlag, 1958.

1959 - Ploss, E.: Rezension zu Hajek, »Buch von guter spise«. In: Zeitschrift für deutsche Philologie 78 (1959) 105-107.

1964 - Kupfer, Artur : Handschriftliche Kopie / Nachschrift in Fraktur nach Photographien des Originales. Darmstadt, 1964

1968 - Kornrumpf, Gisela und Völker, Paul-Gerhard: Die deutschen Mittelalterlichen Handschriften der Universitätsbibliothek München. Wiesbaden, Harrowitz 1968, XXVI, 415 S. (Handschriften der Universitätsbibliothek München, 1) [Darin S. 66 - 107 Beschreibung des Hausbuches Michaels de Leone: S. 88 - Nr 21 "Das Buch von guter Speise"]. [Online] [S. 88]

1969 - Lemmer, Manfred und Schultz, Eva-Luise (Hg.): Die lêre von der kocherie. Von mittelalterlichem Kochen und Speisen. Leipzig 1969. 79 S. (Insel-Bücherei, Nr. 906) [Enthält eine Rezeptauswahl, leider ist die Rezeptsammlung ohne Quellenzuordnung]

1972 - Ploss, Emil: Ein gebratenes, gefülltes Ferkel. S. 43 f. In: Würzburg. Merian, Jahrgang 25, Heft 7. Hamburg. Hoffmann & Campe. 1972. 116 Seiten & 1 Faltkarte.

1972 - Kornrumpf, Gisela: Die Lieder Reinmars und Walthers von der Vogelweide aus der Würzburger Handschrift 2° Cod. Ms. 731 der Universitätsbibliothek München. Bd. I: Faksimile mit einer Einführung von Gisela Kornrumpf, Wiesbaden 1972. [Darin S. 11]

1974 - Horn, Erna: Drei altbairische Koch- und Kulturdokumente. München, Bayerische Vereinsbank 1974. 32 S., unpag. mit vielen Abb. + 8 Tafeln. (Bavaria antiqua Bd 5. ) [Darin S. 9 - 18]

1975 - Fahrenkamp, Hans Jürgen: Wie man eyn teutsches Mannsbild bey Kräfften hält. Die Küchengeheimnisse des Mittelalters wiederentdeckt. Kochbuchverlag Heimeran München 1975. Original-Pappband, Gr.-8°, 112 S. mit vielen Abbildungen, ISBN/EAN: 3806310874 [diverse verwendete Rezepte] [regelmäßige Neuauflagen]

1976 - Georg Hayer (Hg.): Daz buoch von guoter spise. Abbildungen zur Überlieferung des ältesten deutschen Kochbuches. Eingeleitet u. hrsg. v. Georg Hayer. Göppingen: Verlag Alfred Kümmerle 1976. (Göppinger Beiträge zur Textgeschichte, Litterae Nr. 45). 60 S., 34 Faks.  
>>Das Faksimilebändchen möchte einen kleinen Beitrag zur Überlieferungsgeschichte spätmittelalterlicher Fachliteratur leisten. Vollständig abgebildet wird das älteste Kochbuch in deutscher Sprache ("Würzburger Kochbuch") aus dem Hausbuch des Michael de Leone; Zusätzliche Ausschnitte zweier bisher unedierter Kochbücher des 15. Jhs., des "Mondseeer Kochbuches" (Österr. Nationalbibl., Cod. 4995) und des "Wiener Kochbuches" (Österr. Nationalbibl., Cod. 2897), sollen dazu beitragen, Einsichten in die spezielle Eigenart d. Überlieferung mittelalterlicher Rezeptliteratur zu vermitteln.<<

1980 - Stopp, H. (Hg.): Aus Kochbüchern des 14. bis 19. Jahrhunderts. Quellen zur Geschichte einer Textart. Unter Mitarbeit von R. Ertl und A. Schmitt. Universitätsverlag Winter GmbH Heidelberg 1980. 186 S., ISBN 3-8253-2935-6 (Germanistische Bibliothek. 7. Reihe: Quellen zur deutschen Sprach- und Literaturgeschichte I) [Darin S. 7 - 26, 169]

1983 - Brunner, H. (Hg.): Das Hausbuch des Michael de Leone (Würzburger Liederhandschrift) der Universitätsbibliothek München (2° Cod. ms. 731). In Abbildung hg. von H. Brunner. Göppingen 1983 (Litterae Nr. 100). [Darin S. 7, Blatt 156 - 165]

1994 - Tupperware (Hg.): Daz Buoch von guoter Spise / Das Buch von guter Speise. Faximile der Handschrift eines Hausbuchs von Michael de Leone aus dem 14. Jahrhundert. Mit einer Nachschrift von Artur Kupfer. Hrsg. Tupperware Deutschland. Donauwörth: Ludwig Auer, (= Sonderdruck für den Bundespresseball), 1994. Farb. illustr. OHardc. , 66 Seiten, unpag. - 35,5 x 26, Gr-4°. , Pappband, ISBN 3403024040
Vorwort, Reprint der Handschrift, Nachschrift, Nachwort, Glossar, Quellenverzeichnis Dem Nachdruck des Originals folgt der besseren Lesbarkeit willen eine Nachschrift von Artur Kupfer. Das Glossar wurde mit Hilfe der Arbeit von Gerold Heyer ergänzt. Der kulinarischen Bedeutung und dem kulturhistorischen Wert dieses ältesten deutschen Kochbuchs widmen sich das Nachwort von Hans Hajek und das beiliegende Heftchen mit einem Beitrag von T. Ehlert: Das Buoch von guoter spîse: kulinarische Bedeutung und kulturhistorischer Wert.

2000 - Adamson, Melitta Weiss: Daz buoch von guoter spise (The book of good food). A study, edition, and english translation of the oldest German cookbook. Krems 2000 (Medium Aevum Quotidianum, Sonderband IX).

2000 - Ehlert, Trude: Das Kochbuch des Mittelalters. Rezepte aus alter Zeit, eingeleitet, erläutert und ausprobiert von Trude Ehlert. Zürich, München (Artemis-Verlag) 1990. 2. Aufl. 1990. 3. Aufl. 1991. 4. Aufl. 1995. 5. Aufl. Düsseldorf (Patmos) 2000. [diverse verwendete Rezepte]

Dessau, Landesbibl., Hs. Georg. 278.2°

1977 - Franzjosef Pensel, Verzeichnis der altdeutschen Handschriften in der Stadtbibliothek Dessau (Deutsche Texte des Mittelalters 70/1), Berlin 1977, S. 207-212. [Online] [S. 211, 212]


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